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SEO

  • Veröffentlicht am 10th März 2016

Die Macht der Stimme: Sind Sie bereit für die Sprachsuche?

Sprechen statt tippen: Jeder zweite Smartphone-Nutzer bedient sein Gerät mittlerweile per Stimme. Das zeigt eine aktuelle Befragung im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Dabei ist die Sprachsteuerung besonders unter jungen Handy-Nutzern beliebt: Bei den 14- bis 29-Jährigen wird sie schon von 58 Prozent verwendet. Was dies in Zukunft für das Suchverhalten bedeutet, nimmt Jens Hilmerson, Nordic SEO Director bei NetBooster, genauer unter die Lupe.

Was ist Sprachsuche?

Seit Apple im Oktober 2011 den Sprachassistenten Siri im iPhone eingeführt hat, ist sehr viel Bewegung in diese Technologie gekommen. Mit Google Now als Bestandteil von Android und Microsoft Cortana für Windows-Geräte verfügen nun nahezu alle modernen Smartphones über Spracherkennungssysteme. Eine weitere Konkurrenz ist die Amazon-Sprachassistentin Alexa, mit der das Echo-Soundystem des E-Commerce-Riesen gesteuert werden kann und die seit Kurzem auch E-Books auf dem Kindle-Reader vorliest.

Immer häufiger wird diese Technologie nun auch für die Suche im Web genutzt, vor allem mit mobilen Endgeräten. Um die Anfrage eines Anwenders angemessen zu interpretieren, wenn er diese als Sprachbefehl äußert und nicht mehr mit der Tastatur eingibt, wird meist eine Kombination aus natürlicher Sprachverarbeitung und Text-to-Speech (Sprachausgabe) verwendet.

Die Antwort auf die Anfrage stammt dabei von derjenigen Webseite, die die Suchmaschine als dafür am besten geeignet ansieht. Das Ergebnis wird dann an den Benutzer direkt zurückgegeben, ohne ihm vorher eine Liste der Suchergebnisse anzuzeigen.

Die von Google im Jahr 2014 in Auftrag gegebene Mobile Voice-Studie zur Untersuchung der Sprachsuchgewohnheiten hat eine wachsende Bedeutung ans Licht gebracht. Während bereits damals über die Hälfte aller Teenager im Alter zwischen 13-18 Jahren nach eigenen Angaben die Sprachsuche täglich nutzte, verlieren laut der Befragung auch die Erwachsenen zunehmend die Scheu vor der Nutzung von Sprachassistenten. So gaben 41% der älteren Befragten an, mindestens einmal täglich eine mobile Sprachsuche durchgeführt zu haben. Und zwar beispielsweise zu 36% beim TV-Konsum (Jugendliche 59%), in der Badewanne (15 bzw. 22%) oder beim Kochen (23 bzw. 8%).

Die Suchanfragen, die per Stimme gestartet werden, reichen von Kochtipps und Rezepten über geografische Richtungsangaben, Shopping-Adressen und Fakten-Checks bis hin zu Unterhaltung wie Musik und Videos.

Wann wird Sprachsuche vor allem verwendet?

Die User verwenden die Sprachsuche also mittlerweile regelmäßig und immer häufiger. Die meisten Untersuchungen zeigen jedoch, dass lokalisierte Suchanfragen dabei besonders stark vertreten sind.

Eine lokale Suchanfrage liefert in der Regel Ergebnisse, die sich ganz in der Nähe des Suchenden befinden. Beispiele hierfür sind: „Wo ist die nächste Pizzeria” oder „Wie komme ich am schnellste zur nächsten U-Bahn-Station?”

Dies bedeutet, dass heute – obwohl es eine Zunahme der Sprachsuche in allen Bereichen gibt – die Suchenden meist mobil unterwegs sind. Sie brauchen die Informationen sofort, um diese direkt nutzen zu können.

 Für die lokale Sprachsuche kann daher angenommen werden, dass sich der Suchende im unteren Teil des „Verkaufs-Trichters“ befindet und kurz davorsteht, sich zu entscheiden. Beispielsweise, ob er den Restauranttisch bucht, zum Mittagessen in ein bestimmtes Lokal geht, oder eine Buchhandlung besucht.

 Voice-Search-Teaser-Final (1)

Example: searching for NetBooster Paris through Google Voice Search.

Wie wird sich Sprachsuche auf die Suchmaschinenoptimierung auswirken?

Die rasch zunehmende Nutzung von gesprochenen Suchanfragen im Gegensatz zum Eintippen der Suche hat bereits begonnen, die Suchmaschinenoptimierung (SEO) nachhaltig zu verändern. Denn sie bringt eine „natürlichere” Art und Weise mit sich, wie Suchanfragen formuliert werden. Dadurch werden oft mehr Wörter verwendet als bei einer bisher üblichen Suchanfrage.

Suchbegriffe bekommen damit immer mehr Long-Tail Charakter. Dies muss bedacht werden, wenn es um die Planung, das Erstellen und das Hosten von Webseiten-Inhalten geht.

Oft ist die lokale Suche viel direkter. Anfragen wie z.B. „Wo finde ich X?”, „Was ist der schnellste Weg zu Y?” benötigen weniger Kontext, um von Sprachassistenten wie Siri, Google Voice Search, Cortana und Amazon Echo korrekt verstanden zu werden.

Dies wird – mit dem weiteren Fortschritt bei den Sprachsuch-Technologien – vermutlich die größten Auswirkungen auf lokale SEO-Strategien haben. Auf längere Sicht können wir jedoch erwarten, dass Suchanfragen in der Regel immer komplexer werden. Sie werden immer mehr wie „natürliche Gespräche“ gestellt werden, anstatt mit einer Hand voll Keywords.

Wir rechnen mit mehr Webseiten, die „Rich Content“ verwenden. Dieser wird von vorne herein so erstellt und strukturiert, um schnell explizite Antworten auf Suchanfragen zu geben, die direkt als Fragen formuliert sind.

Example of Google Voice Search.

Amazon Echo Super Bowl Advertisement 2016

 

 

Was ist der Unterschied zwischen Keywords und Gesprächen?

Wir wissen alle, dass ein erheblicher Unterschied zwischen geschriebener und gesprochener Sprache existiert. Und so gibt es auch große Differenzen in der Formulierung von Suchanfragen – je nachdem, ob diese geschrieben oder gesprochen werden.

Beispielsweise wenn wir die Sprachsuche verwenden, um eine Lösung zu finden, wie sich SEO-Aktivitäten besser an die Voice Search anpassen lassen. Dann würden wir wahrscheinlich formulieren: „Wie mache ich Sprachsuchen-SEO?” oder „Was sind die besten Wege, um meine SEO an die Sprachsuche anzupassen?”

Wenn wir die gleiche Suche mit einer Tastatur eingeben, werden wir dagegen das Ganze vermutlich deutlich kürzer schreiben. Wie etwa „Sprachsuche SEO” oder einfach nur „Sprachsuche”.

Das resultiert aus unserem „angelernten” Such-Verhalten. Dieses basiert vor allem auf dem Wissen darüber, wie Suchalgorithmen in der Vergangenheit gearbeitet haben. Nämlich Schlüsselwörter und ganze Sätze mit dem Inhalt einer Webseite abzugleichen, ohne sich dabei Gedanken zu machen, wie diese Wörter und Sätze eigentlich gemeint sind oder in welchem Zusammenhang sie stehen.

Für User wird es künftig immer weniger Sinn machen, eine Suchmaschine mit der „Keyword-Methode” zu verwenden. Stattdessen wird sich die „Gesprächs-Methode“ mehr und mehr durchsetzen. Suchanfragen werden sich immer mehr zu einem „natürlicheren” Dialog entwickeln, anstatt gezielt Keywords in ein Suchfeld einzugeben.

Was ist mit Faktoren wie Sprechpausen, Betonung, Intonation und anderen kontextbezogenen Hinweisen?

Diese Faktoren sind natürlich sehr wichtig, um den Kontext eines gesprochenen Dialoges zu erkennen. Um sie vollständig zu berücksichtigen, haben Google und die anderen Suchmaschinen noch einiges an Arbeit vor sich. Fortschritte bei der „semantischen Suche“ sind unerlässlich, um zu entscheiden, welche Suchergebnisse am besten zu einer bestimmten Anfrage passen.

Wie diese Faktoren sich auf die SEO auswirken werden, und wie man den eigenen Webauftritt dafür optimieren kann, ist ein spannendes Thema, mit dem wir uns in Zukunft in weiteren Beiträgen beschäftigen werden.

Veröffentlicht vonNetBooster (Group)